Geschichte

75 Jahre forstliche Zusammenschlüsse in Much,
20 Jahre Forstbetriebsgemeinschaft

Vortrag von Forstdirektor Christian Griesche, Forstamt Eitorf,
Jubiläumsveranstaltung der FBG Much, 17.07.1994 in Much

Der forstliche Zusammenschluss FBG Much ist einer der ältesten, wenn nicht der älteste im Rheinland überhaupt. Vor einem dreiviertel Jahrhundert haben sich Waldbauern aus der Gemeinde Much verabredet, gemeinsam etwas im und für den Wald zu tun.
Hatten sie keine anderen Sorgen – vor 75 Jahren?
Besinnen wir uns: Der erste Weltkrieg war gerade zu Ende. 1918: Not, Steckrübenwinter, knappes Geld, Besatzung, Reparationen. Die Alten wissen, es war eine harte Zeit, als sie Kind waren. Und sie mussten mitarbeiten, in einer Art und Weise, wie es heute undenkbar wäre. Trotzdem oder gerade wegen der harten Zeiten, fanden sich Waldbauern zusammen.
Warum genau, was der eigentliche Anlaß war – so genau weiß das niemand mehr.
Die forstliche Beratung durch die Landwirtschaftskammer war gerade erst geboren. Ein ganzer Forstmann – man stelle sich das vor – hatte die gesamte Rheinprovinz zu betreuen und zu beraten; ein Gebiet, viel größer als das heutige nordrhein-westfälische Rheinland – mit den Regierungsbezirken Koblenz und Trier! Trotzdem fanden die Ratschläge dieses Mannes – Oberförster Haehn – offene Ohren.
Nicht nur das. Es entstand im Gemeindegebiet Much der erste „Waldbau-Verein“ unter dem Vorsitzenden Johann Trömpert /Heinenbusch. Das allein ist schon bemerkenswert. Aber noch etwas; anstelle des devastierten Brandholz-Waldes wurden im Privatwald Fichten gepflanzt. Beispielanlagen, von Haehn initiiert, sollen zur Nachahmung anregen: statt Selbstversorgung nun auch Einnahmen zu erhalten, die vorher nur spärlich aus zusätzlichem Eichenschälen – als Gerberlohe – flossen.
An das Wirken von Haehn erinnert sich besonders der heutige Ehrenvorsitzende Jakob Thelen. War Haehn im Lande, wich ihm Thelen nicht von der Pelle, wie man so sagt. Jakob Thelen eignete sich dabei forstliches Wissen an, setzte Beispiele im eigenen Wald um und wurde für andere Ansprechpartner. 1936 erhielt er, 26jährig, vom Hauptabteilungsleiter des Reichsnährstandes eine Urkunde, die ihn als „forstlichen Fachberater“ auswies: Da war er schon ein Jahr Vorsitzender des „Waldbau-Vereins“ Marienfeld.
1938 erhielt der Bereich Much einen „eigenen“ Forstmann: den Revierförster Wilhelm Weyerstall. Der II. Weltkrieg machte die Stelle vakant.
Erst 1949 kam der vertriebene ostpreußische Revierförster Woyke nach Much. Gemeinsam mit den „Waldbau-Vereinen“ – einer losen Vereinigung interessierter Waldbesitzer – arbeitete er in Waldflurbereinigungen, auf Kahlschlägen und in der Waldpflege.
1950 wurde in Nordrhein-Westfalen das „Gesetz zum Schutz des Waldes“ erlassen. Es sah unter anderem die festere Form der Waldwirtschaftsgemein-schaften“ vor. „Den Beteiligten ist Gelegenheit zu geben, auf freiwilliger Grundlage Zusammenschlüsse – Waldwirtschaftsgemeinschaften – zu bilden.“

Da anderenfalls von Amts wegen per Gesetz andere Möglichkeiten vorgeschrieben wurden, wählten viele Waldbesitzer, so auch im Gemeindebereich Much, diesen Weg. Es entstanden die

WWG Eckhausen/Hetzenholz
WWG Oberhausen/Kreuzkapelle
WWG Much/Wellerscheid
WWG Gerlinghausen
WWG Marienfeld
WWG Löbach

Ihre Arbeit im Wald wurde beratend begleitet von dem inzwischen installierten Landwirtschaftskammer-Forstamt „Bergisch Land Süd“, vor Ort durch die Bezirksförsterei Much, die nach Versetzung von Oberförster Woyke 1952 von Revierförster Burchard Frh. v. Vietinghoff-Scheel besetzt wurde. Er hatte maßgeblichen Anteil an der Gründung der Mucher Waldwirtschaftsgemein-schaften, die er beriet und betreute.
Die gemeinschaftliche Aufforstung und Waldpflege, Umwandlung des ertragsschwachen Niederwaldes und die finanzielle Förderung der Arbeiten waren Aufgaben der Zeit. Daneben standen Fortbildung, Exkursionen im Mucher Raum und Lehrfahrten zu Beispielen in andern Forstämtern an.

Der frühe Tod v. Vietinghoff`s 1961 führte zur Versetzung des Revierförsters Hansjürgen Salzer nach Much; Salzer war bereits im Landwirtschaftskammer-Forstamt Siegburg tätig. Er sollte in Much bis 1990 beratend und betreuend wirken.
Bereits 1958 hatte es in der WWG Much einen Wechsel im Vorsitz gegeben. Josef Steinbach, noch heute amtierender Vorsitzender, hatte diese Funktion übernommen; Jakob Thelen war nach wie vor Vorsitzender in der WWG Marienfeld; in der WWG Löbach Johann Funken.
Die Aufgaben der Waldbauern bestimmten Kulturen, Pflege, Fortbildung. Holzeinschlag, also Ernte, fand damals nur in geringem Umfang statt. Die forstliche Entwicklung blieb aber nicht stehen. Teilweise erfolgten Zusammenschlüsse zu „Waldbauvereinen e.V.“, teilweise fusionierten Waldwirtschaftsgemeinschaften. So schloss sich beispielsweise die WWG Gerlinghausen 1966 der WWG Much an, aber die Umwandlung in Waldbauvereine e. V. erfolgte in der Gemeinde Much nicht.
Eine organisatorische Änderung bahnte sich erst 1969 mit dem „Bundes-Gesetz über forstliche Zusammenschlüsse“ und dem Landesforstgesetz an. Das Landesforstgesetz hatte eine einschneidende Forstreform zur Folge, die erstmals Zuständigkeiten der Forstverwaltung für allen Wald einer Region, gleichgültig welcher Besitzkategorie, schuf.
Für den Ostteil des Rhein.-Sieg-Kreises und damit auch für Much wurde zuständiges Forstamt/Untere Forstbehörde das Forstamt Neunkirchen-Seelscheid mit dem Forstbetriebsbezirk Much.
Seine Aufgabe, gemeinsam mit dem Waldbauernverband NW – Landesverband Rheinland – war es unter anderem, rechtsfähige Zusammenschlüsse, sog. „Forstbetriebsgemeinschaften“ zu gründen in der Form des rechtsfähigen Vereins nach § 22 BGB; eine Grundlage zum Neuanfang.
Zu diesem Zweck fand am 17. November 1972 eine gemeinsame Vorstands-sitzung der fünf in der Gemeinde Much tätigen Waldwirtschaftsgemeinschaften (Much, Marienfeld, Hetzenholz, Löbach und Kreuzkapelle) statt. Mit 6 zu 3 Stimmen wurde der Vorschlag, eine den Gemeindebereich Much flächendeckende Forstbetriebsgemeinschaft zu gründen, abgelehnt.

Sie sollte erst fast auf den Tag genau 20 Jahre später (1992) Wirklichkeit werden.
Ergebnis dieser dreistündigen Sitzung aber war, jeweils eine Gründungsversammlung für zwei FBGen einzuberufen. Am 8. August 1973 wurde die FBG Much von der Höheren Forstbehörde in Bonn als FBG anerkannt und ihr Rechtsfähigkeit nach § 22 BGB verliehen. Josef Steinbach wurde ihr Vorsitzender; sein Vertreter Alois Franken, Geschäftsführer Josef Adolphs und Beisitzer Helmut Sommerhäuser, Peter Fahnenschmidt, Helmut Siebel, Franz Strompen, Ernst Ludwig, Josef Michels.
Am gleichen Tag wurde auch die FBG Marienfeld anerkannt mit dem Vorsitzenden Jakob Thelen, Stellvertreter Johann Funken, Schriftführer Hermann Trömpert, Kassenwart Hubert Kürten, Beisitzer Richard Piel, Hubert Müller, Karl Kreuzer, Albert Kleff, Martin Franken, Eduard Schmitz.
Damit begann wieder ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Zusammenschlüsse. Aber nicht alle Waldbesitzer, die in den WWG aktiv waren, waren mit dem „neumodischen Kram“ einverstanden.
Da sie nicht automatisch in die neuen Zusammenschlüsse übernommen werden konnten, fingen die FBGen wieder „klein“ an: FBG Much mit 95 Mitgliedern und 229 ha Waldfläche, FBG Marienfeld mit 117 Mitgliedern und 130 ha Waldfläche.
Die Gründung der Forstbetriebsgemeinschaften war eine schwierige Geburt. Trotz offensichtlicher Vorteile – die sich später herausstellen sollten – und trotz intensiver Erläuterungen durch den Vorsitzenden des Waldbauernverbandes, Landesteil Rheinland, Bertram Welz und des damaligen Forstamtsleiters Karl Gatzweiler, gab es noch Misstrauen und Zögern. Den Hinweis von Welz, „nur über die FBG können die Belange des Kleinprivatwaldes richtig vertreten werden“, wollte manch einer nicht verstehen.
Die Arbeit vor Ort und Naturereignisse belehrten manch einen noch abseits stehenden Waldbesitzer eines Besseren. Sowohl in Much wie in Marienfeld stiegen schließlich die Mitgliederzahlen und die Zahl der zusammenge-schlossenen Hektar stetig an.
Mit dem 1. Januar 1974 schlossen die FBGen und Forstverwaltung (Forstamt Neunkirchen-Seelscheid) Betriebsleitungs- und Beförsterungsverträge, um die gemeinsame Arbeit noch mehr zu intensivieren. Die Ergebnisse der gemeinsamen Zusammenarbeit, die Jahrzehnte hindurch, würden ein abendfüllendes Referat ergeben.
Lassen Sie mich deshalb nur einige herausgreifen:
In den 21 Jahren von 1949 bis 1969 haben die Waldwirtschaftsgemeinschaften im Forstbetriebsbezirk Much 32 ha Laubbaum-, 95 ha Misch- und 292 ha Nadelbaumkulturen angelegt.
In den ersten 10 Jahren FBG pflanzte allein die FBG Much auf 71 ha 315.000 Waldbäume.
Im gleichen Zeitraum war für den Verkauf von 3.000 fm Stammholz und 10.000 rm Schichtholz ein Umsatz von 850.000 DM erzielt worden.
Schneebruch 1978/79 und Orkane 1990 mit ihren katastrophalen Folgen sind heute in der Landschaft nicht mehr erkennbar; wohl die Einwirkung des „Sauren Regens“.
Allein die FBG Marienfeld hat in 10 Jahren 51 ha neu begründet.
Die Großaufforstung im Heck 1951 = 35 ha, hatte einen Pflanzenbedarf von 35.000 Waldpflanzen.
Nach 30jähriger Betreuungsarbeit legte Forstamtmann Salzer „seine“ FBGen 1990 in jüngere Hände. Thomas Mylenbusch ist seitdem zuständiger Förster für Much.
Durch Wechsel 1986 im Vorstand der FBG Marienfeld für Jakob Thelen (jetzt Ehrenvorsitzender, der zweite Vorsitzende Johann Funken ist inzwischen verstorben), wurde Kurt Horstkemper Vorsitzender der FBG mit einem fast komplett neugewählten Vorstand.
1991 begannen in den Forstbetriebsgemeinschaften Diskussionen über eine mögliche Fusion beider im Gemeindegebiet tätigen Forstbetriebsgemeinschaf-ten. In den Jahreshauptversammlungen am 5. und 14. November 1991 wurde unabhängig voneinander dieser Punkt diskutiert.
Bürgermeister Wilhelm empfahl jeweils in seinem Grußwort, eine solche wieder aufgelebte Diskussion zu Ende zu führen. Im Klartext hieß das: „Vereinigt Euch im eigenen Interesse“!
Die Mitgliederversammlungen beauftragten ihre Vorstände zu getrennten Sondierungsgesprächen, die schließlich zur Auflösung der bisherigen getrennten FBGen und am 28.11.1991 zur Gründung einer den Gemeindebereich flächendeckenden FBG führten.
Im August 1992 wurde die neue FBG für die Gemeinde Much und ihre neue Satzung durch die Höhere Forstbehörde Bonn anerkannt und die Rechtsfähigkeit verliehen. Der neue Vorstand: 1. Vorsitzender Josef Steinbach, Tillinghausen Stellvertr. Vorsitzender Kurt Horstkemper, Wersch Geschäftsführerin/Schatzmeisterin Gisela Otzipka, Hillesheim Acht Ortsvertrauensleute, wobei die Verteilung aufgrund der unterschiedlichen Waldflächenverteilung im Gemeindebereich erfolgte: Werner Ortsiefer, Tüschenbonnen Karl Schmitz, Herfterath Karl Thelen, Oberdreisbach Helmut Stommel, Eckhausen Georg Heidgen, Henningen Ernst Ludwig, Oberdorf Helmut Sommerhäuser, Markelsbach Helmut Hülck, Lohskittel.
Die heute 442 Mitglieder und 961 ha Wald umfassende FBG Much hat nicht zuletzt dank der engagierten Geschäftsführerin, Frau Gisela Otzipka, – die gleichzeitig die Kassengeschäfte führt – nahtlos an die bisherige Arbeit anknüpfen können. Gemeinsam mit dem Forstamt Eitorf wird der Mucher Wald erhalten, gepflegt und betreut werden.
Die Landwirtschaftskammer Rheinland würdigte die Tätigkeit der Mucher Waldbauern für Wald und Landschaft in der Gemeinde durch die Vergabe der Kammerplakette an Jakob Thelen (1976), Josef Steinbach (1983) und Johann Funken (1985) für deren persönlichen ehrenamtlichen Einsatz für Waldbauern und Wald.
Gleichzeitig ist darin eine Anerkennung aller Waldbauern in der Gemeinde Much zu sehen: Sie haben, unabhängig von hohen Erlösen, immer für den Wald gearbeitet. Die grüne Gemeinde ist ihr Werk!
Dafür möchte ich Ihnen zugleich im Namen aller Forstleute danken, die ihren Teil dazu beitragen durften. Ich wünsche mir, dass nachfolgende Generationen Ihre Arbeit fortsetzen werden und dass heute noch abseits stehende Waldbesitzer sich Ihnen bald anschließen mögen.
Dann werden Sie sicher eines Tages die magische Zahl „1.000 ha Mitgliedsfläche in der Gemeinde Much“ erreichen.

Christian G r i e s c h e (17.07.1994)

P.S. Die magische Zahl von 1.000 ha Mitgliedsfläche wurde 2002 erreicht!